Loading ...
Loading ...
Loading ...
08.03.2015

Als Fahrer zu Fuss den Berg hoch kamen

Albert Zweifel ist nicht nur fünffacher Radquer-Weltmeister, sondern auch Rekordteilnehmer der Tour de Suisse. 16 mal gefahren, 15 mal klassiert. Einmal mit Schädelbruch ausgeschieden. Im Gespräch über die harte und fesselnde Welt der Schweizer Radrundfahrt.

Albert Zweifel, wenn Sie spontan an die Tour de Suisse denken, was schiesst Ihnen als Erstes durch den Kopf?

Die Menschen am Strassenrand. Physisch am nahesten kommen sie Dir während eines Bergzeitfahrens. Gewaltig! Aber natürlich erinnere ich mich auch gerne an den Etappenzielort Rüti, den ich 1985 gemeinsam mit meiner Frau organisierte. Die 186 km lange Strecke führte von Laax nach Rüti, wo die Fahrer zwei Zusatzrunden über den lokalen „Hasenstrick“ bestritten. Dort gab es einen 500 Meter langen Abschnitt mit einer Steigung von bis zu 20%. Dazu lag auf dem Asphalt noch ein wenig Kies. Hei, nur die Vordersten kamen ohne Absteigen durch. Im hinteren Bereich des Fahrerfeldes kamen sie zu Fuss den Berg hoch – und das 1985!

Als Rekordteilnehmer sind Sie die Tour 16x gefahren. Welche Etappe bleibt Ihnen speziell in Erinnerung und warum?

Das ist die 6. Etappe meiner ersten Tour de Suisse 1973. Sie war 199 km lang und führte von Grächen nach Meiringen. Ich war Einzelfahrer und startete in einer von Sepp Vögeli zusammengewürfelten Gruppe mit René Savary und Bruno Hubschmied. Der sportliche Leiter befahl mir auf der Abfahrt von Grächen hinunter nach Visp anzugreifen. In Visp hatte unsere Fluchtgruppe schon 2 Minuten Vorsprung. Die grossen Namen aber hatten die Attacke verpasst. Die Strecke führte über Nufenen, Gotthard, Furka und Grimsel. Die Aufholjagd des Pelotons über die vier Pässe war derart hart, dass viele Fahrer nicht mehr mithalten konnten, nach Kontrollschluss eintrafen und danach vom Rennen ausgeschlossen wurden. Der spätere Gesamtsieger, der Spanier José-Manuel Fuente, was so sauer, dass er uns alleine über die vier Pässe einholte und auch noch grad die Etappe gewann. Und an all dem war ich mit meiner Attacke Schuld.

Auf der Abfahrt vom Furkapass 1976 lief Ihnen ein Zuschauer vors Rennvelo. Sie stürzten und fuhren - wie sich später herausstellte - mit einem Schädelbruch noch ins Ziel. An was erinnern Sie sich noch?

Ich wechselte mein Vorderrad und stieg wieder auf. Von aussen sah man mir am Anfang nichts an. Nach dem Duschen hatte ich aber ein blaues Auge, das ich nicht mehr öffnen konnte. Erst dann fuhren wir ins Spital.

Waren Sie derart hart im Nehmen oder eher das Adrenalin, das Sie weiterfahren liess?

Das war wohl das Adrenalin. Viele Gedanken macht man sich beim Aufsteigen nicht. Ich wollte im Ziel nur wissen, wieviel Zeit ich verloren hatte. Ich war 1976 mit Rang 8 in der Gesamtrangliste gut klassiert. Aber im Nachhinein weiss ich, ich habe damals Glück gehabt.

Welche waren für Sie persönlich die schönste Strecke der Tour de Suisse?

Wenn ich eine nennen soll, dann ist es das 12 km lange Bergzeitfahren 1978 von Solothurn nach Balmberg. Ich stand als 3. auf dem Podest - und Bernard Hinault wurde 6. Das glaubt mir keiner, dass ich mal bei einem Zeitfahren Bernard Hinault geschlagen habe! Im gleichen Jahr gewann Hinault die Tour de France.

Als Radquerfahrer waren Sie kein Rundfahrtenspezialist. Welche Etappen machten Ihnen am meisten Freude?

Spass machten mir Bergankünfte. Schöne Erinnerungen habe ich an die Bergankunft in Flumserberg 1977, wo ich 4. wurde.

Und welche Disziplin war nie Ihr Favorit?

Die flachen und langen Zeitfahren lagen mir überhaupt nicht.

 

Alle Details zur Streckenführung 2015 werden morgen Montag, 9.3., in Zug präsentiert.

 

 

Diese Seite teilen