03.02.2017

«Das Gefühl, mitten im Rennen zu sein, ist unbeschreiblich»

Backstage – Ex-Radprofi Steve Bovay versorgt über Radiotour Teams, Fahrer, Kommissäre, Organisatoren und nicht zuletzt den TdS-Live-Ticker mit aktuellen News zum Renngeschehen.

Wenn während der Landesrundfahrt ein grosser Teil des Tour-Staffs am Morgen gemächlich Richtung Frühstücksbuffet schlendert, kehrt Steve Bovay bereits von seiner Laufrunde zurück. Das Training will er während der Tour de Suisse nicht vernachlässigen und muss es dann reinbringen, wenn er noch nicht im Dienst ist. Steve Bovay trainiert für den Ironman Triathlon. Ein Monat nach der Tour de Suisse startet er jeweils am Ironman Switzerland in Zürich. Mit erst 32 Jahren erlebt er heute im Triathlon und bei Marathonläufen eine sportliche Fortsetzung seiner früh beendeten Karriere als Radprofi (BMC Racing Team 2008/09). Heute ist Steve Bovay ambitionierter Hobbysportler und arbeitet hauptberuflich im Verkauf bei Produits Epagny, einer Westschweizer Traditionsfirma für Salami und Trockenfleisch. Am Ironman Switzerland in Zürich 2015 wurde er insgesamt 15. und qualifizierte sich für Hawaii. 2016 wurde er am Zürcher Ironman sogar 10. in 9h04 und konnte sich als Sieger seiner «Age-Group» ebenfalls für den legendären Ironman auf Hawaii qualifizieren. Jedoch musste er aus beruflichen Gründen auf den Start verzichten.

Auspowern vor der Konzentration

Die morgendlichen Trainings am Rande der Tour de Suisse haben aber noch einen zusätzlichen positiven Effekt: «Das Auspowern vor den Etappen tut mir richtig gut», erklärt Steve Bovay. «Denn vom Start bis ins Ziel bin ich hochkonzentriert und kann mich im Auto praktisch nicht mehr bewegen.» Ein schlimmer Gedanke für einen Bewegungsmenschen wie Steve Bovay. Jedoch hat die Radiotour ihren ganz besonderen Reiz. «Ich fühle mich jedes Mal wieder wie ein Velofahrer mitten in einem Radrennen – das ist unbeschreiblich!»

Steve Bovay steht seit 2011 im Dienst der Radiotour. In seinen Bereich gehören drei Westschweizer Motorradfahrer, die Informationen einholen. Zwei von ihnen sind bereits seit über zehn Jahren dabei. Zudem informiert ein Ardoisier die Rennfahrer per Kreidetafel über die Zeitabstände. Und da ist natürlich auch noch Steves Fahrer, der das Fahrzeug der Radiotour sicher im Rennen hält. Stress gibt es immer dann, wenn viele Informationen aufs Mal auf Steve Bovay einprasseln. Und das ist nicht selten der Fall. Höchste Konzentration ist gefragt. Oft zieht die eindrückliche Schweizer Landschaft unbemerkt am Romand vorbei. «Aber wenn wir die Tremola hochfahren, ist das immer ein besonderes Erlebnis.» Kein Wunder, denn das Kopfsteinpflaster der Gotthardsüdroute ist so holperig, wie die karge Alpenlandschaft atemberaubend ist. 

Steve Bovays bisher schwärzester Tag als Chef Radiotour war ausgerechnet an seiner ersten Tour de Suisse 2011, als der kolumbische Radprofi Maurizio Soler als damaliger Gesamtzweiter schwer verunfallte. Dieser Schock sass tief, zumal Soler nur ein Jahr älter ist als Steve Bovay. Maurizio Soler erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und musste in der Folge seine Radsportkarriere aufgeben.

Nur verifizierte Infos über Radiotour

Das Melden von Unfällen gehört auch bei Radiotour zum Alltag. Über alle Vorfälle informiert Steve Bovay so rasch als möglich, sachlich und faktentreu, damit die betroffenen Teams sofort Bescheid wissen. Aber - egal ob Fluchtversuch oder Unfall - erst wenn er eine Startnummer definitiv bestätigt erhält, meldet er die Nummer über Radiotour. Als ehemaliger Radprofi weiss er, welche Informationen ein Team und ein Fahrer benötigt und was unnötig ist. Über Radiotour informiert er auf Französisch und Deutsch sowie auf Englisch für die Teamchefs.

Damit er als Chef Radiotour jeden Fahrer und sein Team ohne Zögern erkennen und einordnen kann, verfolgt er die Radrennen das ganze Jahr durch intensiv. Dabei gefällt ihm Peter Sagan und dessen Professionalität: «Sagan ist ein Star - und genau das braucht der Radsport.» 

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