25.04.2016

Doch keine Scheibenbremsen im neutralen Rennservice?

Für effiziente Radwechsel in Rennsituationen müssen die Mitglieder des neutralen Rennservices alles über das von den Profiteams gefahrene Rennrad wissen. Unsicherheiten gibt es nun, weil die UCI die Testphase mit Scheibenbremsen kurzfristig gestoppt hat.

Wenn ein Fahrer im Rennen einen Plattfuss einfängt, muss es meistens schnell gehen. Ist kein teameigenes Fahrzeug für Support zur Stelle, springt der neutrale Rennservice ein. Unter den 39 Paar Ersatzrädern, die Official Supplier DT Swiss dem neutralen Rennservice auch in diesem Jahr zur Verfügung stellt, waren sechs Paar Räder vorgesehen, die für Scheibenbrems-Systeme bestimmt sind.

Scheibenbremsen ab sofort verboten

Seit diesem Jahr und bis vergangene Woche war der Einsatz von Scheibenbremsen an WorldTour-Rennen erlaubt. Das niederländische Team Roompot-Oranje Peloton beispielsweise, das an der Tour de Suisse am Start sein wird, stellte seine Rennräder komplett auf Scheibenbremsen um. Seit einem Unfall des Spaniers Fran Ventoso (Team Movistar) beim Klassiker Paris-Roubaix ist jetzt aber alles anders. Der Spanier holte sich bei einer Kollision mit einem anderen Rennfahrer eine gefährlich tiefe Wunde am Bein. Ursache soll eine Scheibenbremse gewesen sein. Darum hat der Weltradsportverband den Testbetrieb mit Scheibenbremsen per sofort eingestellt. Das bedeutet nicht nur grosse Umrüstungsarbeiten bei einigen Profi-Teams, sondern birgt auch Unsicherheiten im neutralen Rennservice der Tour de Suisse.

Die Vorbereitungen für den neutralen Rennservice der Tour de Suisse gehen nun mit zwei parallelen Bremssystemen weiter. «Bleibt das Verbot von Scheibenbremsen bestehen, kehren wir zur letztjährigen Organisation des Materials zurück», sagt Martin Obrist, Bereichsleiter des neutralen Rennservices. «Falls das Verbot jedoch in absehbarer Zeit wieder aufgehoben würde, wären unsere Vorarbeiten zumindest nicht umsonst gewesen.»

Komplexität nimmt zu

Die Sicherheit der Rennfahrer steht an oberster Stelle. Diese Diskussion ist jetzt im Gange. Aber auch die Komplexität von Scheibenbremsen im neutralen Rennservice darf nicht unterschätzt werden. Martin Obrist erklärt: «Die Scheibenbremsen haben eine Vielfalt von Aufnahmemöglichkeiten. Wegen der Steifigkeit kommen vor allem Steckachsen zum Zuge. Beim Vorderrad können es Achsen mit einem Durchschnitt von 9mm, 12mm oder 15mm sein. Die Hinterräder werden nebst den herkömmlichen Schnellspannern auch mit Achsen von ø 12mm  gefahren. Hinzu kommen die Scheibengrössen in den beiden Varianten ø 140mm oder ø 160mm.»

Mit drei Fahrzeugen begleitet Martin Obrists Team das Fahrerfeld. Vorgesehen war, dass pro Fahrzeug acht Paar «normale» Räder und zwei Paar für Scheibenbremsen mitgeführt würden. Zudem sei wichtig, dass die Zahnkränze auf die von den Teams gefahrenen Schaltgruppen Shimano, Campagnolo und SRAM abgestimmt würden. «Je nach Team müssen wir bei einer Panne sofort das richtige Rad zücken können.» Dazu führen die drei Fahrzeuge eine Teamliste mit Materialspezifikationen. «Mit der Zeit weiss man zwar, welches Team welche Schaltgruppe fährt», erklärt Martin Obrist. «Ergänzen müssten wir die Liste noch mit den Scheibenbremsvarianten.»

In diesem Jahr werden die Radmodelle in der Carbonversion RC55 SPLINE und RC38 SPLINE sowie in der Aluversion die leichten RR21 Räder von DT Swiss eingesetzt (siehe Bilder unten). Die Räder werden von Martin Obrist und seiner Crew mit Bontrager-Pneus bereift und mit der für Rennprofis gängigen Zahnkranz-Kassette 11-25 versehen.

DT Swiss an der Bike Expo

Wer diese und andere Radmodelle von DT Swiss genauer unter die Lupe nehmen möchte, kann dies jeweils vor dem Start der Etappe bei den Fahrzeugen des neutralen Rennservice oder am Schlusswochenende in Davos Klosters machen, wenn DT Swiss sein Sortiment anlässlich der Bike Expo präsentieren wird.

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