Auch bei der Tour de Suisse sorgt Schuler dafür, dass sich die Athleten zwischen jeder Etappe wieder einigermassen erholen. "Es ist eine spannende Arbeit, die mir viel Spass macht. Ein 08/15 Job in einem Büro von acht bis fünf Uhr wäre nichts für mich", betont die Hobby-Triathletin, die früher selbst Wettkämpfe bestritten hat.
"Natürlich nicht auf diesem Niveau, aber es ist ein Vorteil, wenn man sich in einen Athleten hineinversetzen kann. Für diesen Beruf braucht es viel Leidenschaft, man darf die Stunden nicht zählen?, blickt die Masseurin auf regelmässig mindestens zwölfstündige Arbeitstage.
Sie ist mit Profis wie Ivan Basso oder Peter Sagan per "Du" und schwärmt von einem super Arbeitsklima. "Ich fühle mich sehr gut aufgehoben", betont die einzige Frau im Team. Ihre perfekten Italienisch-Kenntnisse kommen ihr dabei zugute, denn sie hat zehn Jahre lang während ihrer ersten Berufsausbildung zur Winzerin im Tessin gelebt.
Ihr Vertrag läuft bis Ende der Saison. "Danach sehen wir weiter. Man muss flexibel sein, ich kann mich auch selbstständig machen", hat die ausgebildete medizinische Masseurin keine Zukunftssorgen. Sie blickt auf Renneinsätze mit Schweizer Junioren und mit dem Schweizer Continental Team "Price" zurück. Ausserdem hat sie Triathleten und Fussballspieler betreut.
Katar und Oman waren exotisch
Zu ihren Aufgaben zählen auch die Verpflegung auf der Strecke, das Wäsche waschen sowie Flaschen und Verpflegung vorzubereiten. Obwohl sie die Laufschuhe sicherheitshalber immer dabei hat, kommt sie selbst sehr wenig dazu, um noch Sport zu betreiben.
Dafür spult sie viele Kilometer mit dem Auto in ganz verschiedenen Ländern ab. "Am exotischsten waren bisher Oman und Katar. Die Frauen standen mit den Burkas am Strassenrand, die Männer mit weissen Überhängen. Das war sehr speziell", erzählt sie und meint: "Andererseits war dort für die Einheimischen ein Radrennen sicher auch etwas Exotisches."
Obwohl die Tour de Suisse durch ihre Heimat führt, hat sie keine Zeit für einen Abstecher nach Hause. "Meine Freunde besuchen mich an den Etappenorten, wie zum Beispiel in Lugano", erzählt die Masseurin. Wenn sich der ganze Tagesablauf nur um den Profiradsport drehe, müsse man allerdings aufpassen. "Denn es gibt auch noch eine andere Welt da draussen", meint Simone Schuler, die etwa 180 Tage im Jahr bei Rennen auf der ganzen Welt unterwegs ist.
Zeit um sich zu erholen hat sie im November, aber bald darauf geht es wieder mit dem Trainingslager und ab Januar mit den ersten Rundfahrten los. "Es ist momentan der perfekte Job für mich", sagt Simone Schuler abschliessend.