Etappensieger-Interview mit Diego Ulissi
28. April 2019

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Diego Ulissi (UAE Emirates) konnte mit seinem unglaublichen Antritt die schnelle 5. Etappe nach Leukerbad für sich entscheiden.

Tour de Suisse: Welche Erinnerungen hast du an die fünfte Etappe der Tour de Suisse 2018?
Diego Ulissi: Zu Beginn der Tour de Suisse war ich optimal in Form: Ich hatte bereits zuvor beim Giro dItalia zunehmend Kondition aufgebaut, konnte allerdings keine Siege einfahren. In der Schweiz war ich von Anfang an hoch motiviert, ein tolles Ergebnis zu erzielen. Gemeinsam mit den Sportdirektoren hatten wir festgelegt, dass die fünfte Etappe besonders geeignet für mich sei. Am Start war ich dann auch guter Dinge, wusste aber gleichzeitig um die starke Konkurrenz. Die Genugtuung nach dem Sieg war unglaublich.

TdS: Der Start verlief relativ hektisch. Während der Fahrt über den ersten Pass und auch über die gesamte Abfahrt hinweg liess das Peloton niemanden in die Ausreissergruppe und es wurde ein enorm hohes Tempo angeschlagen. Wie bist du die erste Hälfte des Rennens angegangen?
DU: Ich habe versucht, mir alles bestmöglich einzuteilen. Um möglichst viel Energie zu sparen, blieb ich daher im Windschatten meines Teams. Das ist besonders wichtig, wenn man von Anfang an sehr schnell fährt.

TdS: Larry Warbasse wurde als Letzter eingeholt. Das Rennen wurde auf dem letzten Anstieg nach Leukerbad entschieden. Mikel Landa ging sechs Kilometer vor der Zielgeraden zum Angriff über. Sein Angriff war explosiv. Hat dich das unter Druck gesetzt?
DU: In solchen Situationen versuche ich immer, ruhig zu bleiben. Ich halte einen regelmässigen und effizienten Rhythmus und warte auf den günstigsten Moment, um alles zu geben. Ich versuche, mich nicht zu sehr von den Gegnern ablenken zu lassen und konzentriere mich voll und ganz auf meine Strategie. Natürlich ist Landa, wenn er angreift, sehr gefährlich. Genauso gefährlich ist es, ihm sofort zu folgen und auf seine Attacken zu reagieren: Das kann böse enden!

TdS: Unter der flamme rouge hast Du dann das Feld angeführt und konntest Landa zirka 200m vor der Ziellinie abfangen. War es dein ursprünglicher Plan, das Rennen von vorne zu kontrollieren? Du hast einen zirka 400m Sprint hingelegt!
DU: 400 Meter vor der Zielgeraden beschloss ich, alles zu geben und Landa einzuholen, der ja bei dem Angriff schon Energie verbraucht hatte. Meine Beine waren optimal in Form, weshalb ich Landa überholen konnte: Als ich an der Spitze war, dachte ich nur daran, noch schneller zu werden und bis zur Zielgeraden nicht nachzulassen.

TdS: Beinahe wäre Landas Flucht erfolgreich gewesen, ab wann glaubtest du, dass Du um die Etappe mitsprinten könntest?
DU: Während der Etappe fühlte ich, dass ich allen meinen Gegnern gewachsen war. Auch als Landa zum Angriff überging, merkte ich, dass sein Vorsprung nicht besonders gross war und hielt somit an der Überzeugung fest, siegen zu können. 

TdS: Du bist bekannt dafür, dass dir hüglige Ankünfte liegen. Auf dem Papier aber sah die 5. Etappe nach der ersten Bergetappe aus. War es eine Etappe, die Du dir von Anfang an vorgenommen hast oder merktest Du vor Ort während dem Finale, dass es zu einem Sprint und zu deinem Vorteil kommen könnte?
DU: Nicht zuletzt dank der Sportdirektoren des Teams sowie der Trainer hatten wir die Etappe bereits genauestens studiert und ich wusste, dass ich sehr gute Chancen hatte. Es stimmt, mir liegen Strecken, die gegen Ende grosse Höhenunterschiede aufweisen.

TdS: Du bist generell gut über die Berge gekommen an der Tour de Suisse und einen Top10 GC Platz herausgefahren. Bist Du von Anfang an auch auf das GC gefahren oder ursprünglich auf eine Etappe und es kam am Ende so zusammen?
DU: Wenn du gut in Form bist, kannst Du kurzen Etappenrennen auf die Etappensiege setzen. Hältst du zudem einen regelmässigen Rhythmus, dann ergibt sich ein gutes Ergebnis im Gesamtklassement ganz von allein. 

TdS: Du lebst ja seit ein paar Jahren in der Schweiz, fühlte es sich für dich auch ein wenig wie zu Hause an an der Tour de Suisse?
DU: Das stimmt. Die Tour de Suisse ist das Rennen meiner Wahlheimat! Besonders spüre ich das, wenn die Etappen durch den Kanton Tessin verlaufen – teilweise sogar auf den Strassen, auf denen ich tagtäglich trainiere.

TdS: Und welche Pläne hast du für die Saison 2019? 
DU: Im Mai nehme ich am Giro d’Italia teil: Ich hoffe, dass das für mich positiv verläuft. Für einen italienischen Radrennsportler ist der Giro d’Italia immer ein ganz besonderes Rennen. Sollte ich, wie geplant, den Giro d’Italia in guter Form abschliessen, werde ich erneut an der Tour de Suisse teilnehmen.

TdS: Von welchem Triumph träumst Du, welchen Sieg möchtest Du deinem Palmeras noch unbedingt anfügen?
DU: Mein Traum ist weiterhin das Rennen Lüttich–Bastogne–Lüttich. Neben einem weiteren Sieg bei der Tour de Suisse natürlich.

TdS: Vielen Dank, Diego, und viel Glück für die Saison!

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