Unterwegs mit dem technischen Leiter der Tour de Suisse

Wie Jonas Leib und sein Team Tag für Tag ein Sportfest aus dem Nichts zaubern.

Natürlich sei eine Startgerade und eine Zielgerade immer einfach eine gerade Strasse, lacht Jonas Leib. Aber die effektiven Ausgangslagen rund um diese „gerade Strasse” könnten nicht unterschiedlicher sein. Und genau darin liegt die grosse Herausforderung und Faszination der Aufgaben des technischen Leiters der Tour de Suisse. Lange bevor sich der Tross der Tour de Suisse in Bewegung setzt und das grösste jährliche Sportspektakel des Landes Dorfkerne, Skistationen und Alpenpässe zu temporären Stadien des Radsportes verwandelt, trifft sich Jonas Leib mit Interessenten aus lokalen Organisationskomitees, Politik oder Vereinen, um einen möglichen Tour de Suisse Start oder Zielankunft zu besprechen und planen.

Viele Orte melden sich aktiv bei der Tour de Suisse, weil sie bereits bei früheren Ausgaben eine Etappe in der Region hatten, weil sie wegen einem Jubiläum oder touristischen Interessen gerne die Schweizer Landesfahrt bei sich zu Gast hätten. Es kommt aber immer auch wieder vor, dass Jonas Leib proaktiv nach Austragungsorten suchen muss. Dies weil die Tagesetappen bezüglich Länge limitiert sind und auch der ganze Tour-Tross und Staff nicht unendlich Distanz zwischen Start und Zielorten bei der Verschiebung auf sich nehmen kann.

Jonas Leib empfindet es als eine Chance, wenn der Austausch bereits über ein Jahr im Voraus anläuft. So können sich die Leute vom lokalen OK bei der Austragung der Tour de Suisse vor Ort ein Bild machen, welches die Anforderungen an Platzverhältnisse und Infrastruktur sind. Neben der Start- und Ziel-Geraden, welche am Renntag mit Gitter und Banden abgesperrt wird braucht es zusätzlich Platz für den Zielbogen, den Mess- und Übertragungswagen, ein VIP-Truck, diverse TV-Kameras, so wie in Zielnähe Platz für das Podium, Räumlichkeiten für das Medienzentrum und die Stände der Sponsoren und Fan-Zone. In nicht allzu weiter Ferne zudem Parkplätze für die über 20 Team-Buse und Mannschafts- und Veranstaltungsautos. Darüber hinaus stellen einige Organisationskomitees Festzelte für Musik, Essen und Trinken. Da jeder Austragungsort über andere und individuelle Platzverhältnisse verfügt, benötigt es ein grosses Mass an Improvisation aller Beteiligten.

Ist die Tour de Suisse einmal gestartet ist für Jonas Leib der grösste Teil seiner Arbeit erledigt und aufgegleist. Am Etappentag selber übernimmt er vor allem Koordinations- und Kontrollfunktionen. Er prüft, ob alles planmässig läuft und aufgestellt wurde, ist da wenn Probleme auftauchen, hilft spontane und improvisierte Lösungen zu finden und koordiniert unter den diversen involvierten Teams. Nach der Zieleinfahrt kommt dann im Podiums-Bereich noch einmal Hektik auf. Während die Tagessieger*in, Gesamtleader*in und alle Leader*innen eines Spezialtrikots in den abgesperrten Bereich geleitet werden, druckt ein eingespieltes Team die Team-Sponsoren auf die jeweiligen Podiums-Trikots, werden die Sponsoren-Vertreter*innen nochmals über die Abläufe während der Podiums-Zeremonie instruiert, wird die Reihenfolge der Siegerehrung angepasst und läuft die Koordination mit dem Schweizer Fernsehen, welches live Interviews und die Siegerehrung zeigt. Jonas Leib geniesst dieses hektische Gewusel und die kurzen Interaktionen mit den glücklichen Sieger*innen. Überhaupt empfindet er es als tolles Gefühl, wenn er kurz vor der Zieleinfahrt oder dem Start feststellen kann, dass alles so geklappt hat, wie im Vorfeld geplant und sich ein Dorf, ein Alpenpass oder sogar ein Stadtkern in ein Epizentrum des Radsportes verwandelt, bei dem Gross und Klein den sportlichen Volksfestcharakter geniesst!