Die 89. Ausgabe der Tour des Suisse war geprägt von grossen Veränderungen. Zum ersten Mal weltweit wurde ein internationales Etappen-Radrennen auf höchster Stufe mit Frauen- und Männerrennen am selben Tag durchgeführt. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz bezüglich der Umsetzung des neuen Konzepts, schauen selbstkritisch zurück und selbstbewusst voraus.
Neues Konzept – Fit für die Zukunft
Die Feuertaufe des neuen Konzepts der Tour de Suisse ist bestanden. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wurde die Tour de Suisse Männer auf fünf Tage verkürzt, die Tour de Suisse Frauen um einen Tag verlängert, Frauen- und Männerrennen fanden am selben Tag statt und die Strecke war auf einen Rundkurs ausgelegt mit Start- und Ziel am gleichen Etappenort. Die Tour de Suisse so einschneidend zu verändern, sei mutig und auch mit Risiken verbunden, sagt CEO Gabriela Buchs, aber: “Nach intensiven Gesprächen mit Sponsoren, Etappenorten, Teams und Fahrer:innen kommen wir zum Schluss, dass die eingeschlagene Richtung und das Gesamtergebnis der Premiere stimmen.” Bei der diesjährigen Tour konnten einige Innovationen umgesetzt werden. Zum Beispiel fanden zum ersten Mal in der Welt-Radsportgeschichte auf dem Niveau eines WorldTour-Etappenrennen die Teampräsentationen von Männern und Frauen gleichzeitig statt. Ein Zeichen für die ernsthaft gemeinte Gleichstellung der Geschlechter im Radsport.
Von den Athlet:innen wurde das neue Konzept weitgehend positiv bewertet. Radweltstar und Tour- de-Suisse-Sieger Tadej Pogačar sagte an einer Medienkonferenz sinngemäss: Er möge die Idee, dass Frauen und Männer gleichzeitig am gleichen Rennen sind. Das werte den Frauenradsport massiv auf. An der Tour de Suisse sei bei der ersten Austragung noch nicht alles optimal gelöst, aber die Entwicklung gehe in die richtige Richtung.
Den Veranstaltern ist bewusst, dass die diesjährige Austragung der Tour de Suisse noch nicht das optimale Endergebnis ist, sondern der Startschuss einer langfristigen Weiterentwicklung mit dem Ziel, auch in Zukunft zu den bedeutendsten und innovativsten Radsportveranstaltungen der Welt zu gehören. Gabriela Buchs: “Es ist mir nochmals wichtig zu betonen, dass das neue Konzept keine kurzfristige finanzielle Übung ist, sondern eine bewusste strategische Investition in die Zukunft unserer Veranstaltung.”
Neues Konzept – Optimierungsbedarf
Eine abschliessende Analyse und konkrete Anpassungen sind kurz nach Ende der Tour nicht möglich. Optimierungsbedarf besteht auf den ersten Blick bei den langen Transfers zwischen den Etappenorten für die Teams, Athlet:innen und das gesamte Tour-Personal. Tourdirektor Olivier Senn: “Logistisch funktioniert das Format, das haben wir bewiesen. Uns ist aber bewusst, dass es Verbesserungen und Anpassungen braucht, um das neue Konzept auch in Zukunft erfolgreich durchzuführen.” Besonders hervorzuheben sei der ausserordentliche Einsatz aller Helferinnen und Helfern. Lange Arbeitstage, kurze Erholungsphasen, neue Abläufe und hohe Temperaturen verlangten allen Beteiligten viel ab. «Alle Bereiche haben in diesen Tagen Grossartiges geleistet. Wir sind allen Helfenden von Herzen dankbar – ohne ihr Engagement und ihre Leidenschaft wäre die Umsetzung dieses neuen Formats nicht möglich gewesen», sagt Gabriela Buchs.
Medien – Grosses Interesse
Total haben sich ca. 170 Journalist:innen akkreditieren lassen, davon 120 aus dem Ausland. Mitarbeitende von SRF sind in diesen Zahlen nicht inkludiert. Das überdurchschnittlich hohe mediale Interesse hat in diesem Jahr mit grosser Sicherheit auch mit der Anwesenheit des slowenischen Superstars Tadej Pogacar zu tun, der die Radsportszene dominiert.
Täglich wurden die Frauen- und Männerrennen auf SRF 2 vier Stunden live übertragen. Weltweit wurde die Tour de Suisse in über 200 Ländern gezeigt.
Social Media – gute Reichweite
Die Aufrufe auf den sozialen Kanälen sind um ein Dreifaches gestiegen, und die Reichweite der Posts verdoppelte sich im Schnitt. Auffallend dabei ist das starke Reichweitenwachstum ausserhalb der Schweiz. Insgesamt gibt es eine deutlich höhere internationale Sichtbarkeit und stärkere Engagement-Raten als in den Vorjahren. Die Interaktionen auf den digitalen Kanälen der Tour de Suisse haben markant zugenommen und zeigen ein wachsendes Interesse, was in diesem Jahr sicherlich auch mit dem slowenischen Superstar zu tun hat.
Sportlich – Spannung pur
Sportlich bot das Frauenrennen alles, was es für eine spannende Tour braucht. Vor der letzten Etappe stellte sich die Frage: Kann die Schweizer Weltklassefahrerin Marlen Reusser (Movistar) das gelbe Leader-Trikot ins Ziel bringen? Sie konnte. In einer harten Schlussetappe lief die Bernerin nie Gefahr, das Leader-Trikot zu verlieren und fuhr am Ende solo durchs Ziel. Marlen Reusser holte sich somit den dritten Tour-de-Suisse-Gesamtsieg ihrer Karriere. Mit Steffi Häberlin (Team SD Worx-Protime) und Jasmin Liechti (SUI) klassierten sich weitere Schweizerinnen auf dem guten 6. respektive 15. Platz.
Bei den Männern stand der Gesamtsieger bereits früh fest: Kein Fahrer konnte Tadej Pogačar gefährlich werden. Hoch blieb die Spannung bei der Frage um den jeweiligen Tagessieg. Ein Krimi bot das Zeitfahren in Aarburg über 23.7 Kilometer, bei dem sich Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG) am Ende mit einem selten mickrigen Vorsprung von 0,04 Sekunden gegen seinen Rivalen Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) durchzusetzen vermochte.
Ausblick – 90. Ausgabe 2027
Die Tour de Suisse 2027 wird die 90. Ausgabe der traditionellen Landesrundfahrt. Bereits heute ist bekannt, dass die Schlussetappe in Vaduz stattfinden wird









